Die Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter

Wir teilen Erfahrungen rund um die Gemeinschaft - vom Einstieg, dem Leben darin bis zum Ausstieg.


Diese Website ist nicht aus dem Beweggrund entstanden, die Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter (GET) oder Personen darin zu verunglimpfen, sondern weil Mitglieder aus dieser Glaubensgemeinschaft Feststellungen und Erfahrungen gemacht haben, die äusserst nachdenklich stimmen.
Unser Ziel ist es nicht zu entzweien, sondern um jeden Einzelnen zu ermutigen offen über seine Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Nur ein Geist der Offenheit und Ehrlichkeit kann uns zu selbstdenkenden und selbsturteilenden Nachfolgern machen um wie die Beröer, eine Gesinnung des Prüfens und Forschens zu beweisen, welches der Apostel Paulus als “edel” bezeichnete. (Apostelgeschichte 17.11)
Dazu ist es dringend nötig, auf Ungereimtheiten und falsche Ansichten hinzuweisen. Wir wollen wenn nötig im Ernst aufrütteln, in der Liebe ermahnen und das Licht auf den Leuchter stellen.

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#1 03.04.2016 06:45:52

Timotheus
Mitglied

Schwangerschaftsverhütung

In der GET ist es das Thema Verhütung ja bekanntlich absolut ein Tabu. Um klarzustellen, ich spreche hier nicht die Verhütung im Zusammenhang von vorehelichem Geschlechtsverkehr an, denn Geschlechtsverkehr vor der Ehe ist ganz klar NICHT im Sinne von Gottes Wort.
Für Ehepaare finde ich dieses Thema aber eine sehr ernste Angelegenheit und sollte in der GET dringenst im göttlichen Licht, anhand der Bibel betrachtet werden. 6- 15 Kinder sind in der GET ja keine Seltenheit. Wenn man aber von Müttern hört, die sich überhaupt nicht auf das werdende Kind freuen, ja gar fast ablehnen, stimmt das sehr, sehr nachdenklich oder sogar traurig.
In der GET wird ja immer wieder zitiert: Gott lässt es nicht über Vermögen kommen.
Es stimmt zutiefst nachdenklich dass oftmals dieses „nicht übers Vermögen“ schlussendlich über Arzt und Psychopharma führt. Was Psychopharmamittel mit einem Menschen machen, scheint niemand zu hinterfragen.
Was weiter zu beachten ist: Wieviel Zeit pro Tag kann eine Mutter oder Vater für das einzelne Kind aufwenden? Bei 10- 15 Kinder ist es schlicht unmöglich intensiv auf ein Kind einzugehen! Vor allem leiden hier die älteren Kinder, weil ja die jüngeren zwangsweise den Vorrang haben. Der Kontakt und Rat wird dann eben andersweitig gesucht. Wenn starke, schöne Familienbindungen vorhanden sind, kann dies ein Onkel,Tante oder Grosseltern sein – dies wäre ja wünschenswert- nur zeigt es sich in der GET deutlich, dass dies vielmals nicht so ist. So verlassen viele schlussendlich die GET und durch die Meidung dieser „abgefallenen“ Kinder kommen herzenstraurige Zustände in solche Grossfamilien.

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#2 24.05.2016 18:57:52

Rosmarie Stucki
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Wie ist der Text zu verstehen, als Postulat zur Schwangerschaftsverhütung?

Du nimmst nur zum ausserehelichen Geschlechtsverkehr klar Stellung, und das sogar in Grossbuchstaben. Ungeachtet dessen, ob man diesen gutheisst oder ablehnt, eine Realität ist er allemal. Wie siehst du es da mit der Verhütung?

Ist Abstinenz aus deiner Sicht auch Ehepaaren zuzumuten? Und bist du der Meinung, auf Psychopharmaka sollte in jedem Fall verzichtet werden?

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#3 24.06.2016 16:24:17

Newcomer
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Wie von Timotheus erwähnt, ist die Schwangerschaftsverhütung in der GET ein Tabu.
Es wird in den Betrachtungen nicht explizit Stellung dazu bezogen, sondern ab und zu beiläufig erwähnt, man solle die Ältesten kontaktieren, wenn man es "richtig machen wolle" und getauft werden will.

Unlängst wurde jedoch in einer Betrachtung von einem Ältesten im Kanton Bern angeführt: "Das Gesetz Gottes: Seid fruchtbar und mehrt Euch (Zitat aus der Lutherbibel 1912, 1. Mose, Kapitel 9: "Seid fruchtbar und mehrt euch und regt euch auf Erden, daß euer viel darauf werden.") habe noch heute seine volle Gültigkeit.

Diese Aussage dürfte sich auf die Tatsache bezogen haben, dass sich ein Familienvater zur Wehr setzte, als die Ältesten seiner an Krebs erkrankten Frau mitteilten, "Verhütung sei Sünde".

Was es für eine betroffene Person bedeutet, in der GET in "Sünde" zu sterben, gilt es wohl hier nicht zu verdeutlichen.
Dass die Abgabe eines krebsheilenden und damit lebenswichtigen Medikamentes gemäss Aussage des Arztes als Bedingung eine sichere Verhütung voraussetzte, hatte offensichtlich keinen Einfluss auf die Meinungsfindung der Ältesten.

Wieso sind die Ältesten nicht bereit in Härtefällen eine Ausnahme zu machen?
Die lapidare Äusserung "Wir haben ja nur einen Ratschlag gegeben" lautet da schon sehr sarkastisch!

Haben die Ältesten der GET folgenden Vers aus dem neuen Testament schon gelesen?

2. Korinther, 3, 6:
"...welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des Neuen Testaments, nicht des Buchstaben, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig."

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#4 25.06.2016 13:08:02

GET-Wissensinteressierter
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Mir scheint, dass hier biblische Anweisungen nicht nur völlig realitätsfern sind, sondern schon im Falle der GET inhuman planend verlaufen:

Dazu einmal zur Realität:
Die Erde muss nicht mehr gefüllt werden, sie ist schon voll genug, an vielen Orten derart, dass der Mensch seine Umwelt selbst zerstört(Abholzung usw.) und dadurch erst recht zum Hunger beiträgt, in anderen Gegenden durch wirtschaftlichen Fortschritt guten Ausgleich geschaffen hat, bequem leben zu können, und dann die Umwelt durch seine Industrie teilweise für den Menschen lebensgeäfhrlich schädigt. Chinas Ostküste mit den Menschenansammlungen und die Auswirkungen auf die Umwelt sind da schon markant.

Gerade in Entwicklungsländern, wie z.B. in Afrika, wirkt sich die Vermehrung, wenn noch unterstützt durch ein religiöses Verhütungsverbot, schlimm aus. Es gibt viele Gegenden, in denen die  Menschenfülle auf einem Raum nicht mal selbst durch den Raum, den diese besiedeln, ernährt werden kann. Äthiopien war einmal eine Kornkammer, heute, wie vor dreißig Jahren, schlittert es immer knapp an Hungerskatastrophen vorbei, teils nur verhindet durch Nahrungslieferungen. Die Wälder von früher sind abgeholzt, weil jeder Feuerholz braucht, man wandert immer weiter, um solches zu beschaffen usw. Und mit dem medizinischen Fortschritt ist leider keine Senkung der Geburtenzahlen einhergegangen.
Dazu kommt noch, wo all diese zusätzlichen Menschen, oft mit geringer beruflicher Qualifikation, später beschäftigt werden sollen, wenn nicht einmal die Volkswirtschaften entsprechend sich entwickeln. Das müsste die eigene Umwelt eigentlich ermöglichen, damit es den Menschen gut geht, nur leider geht wirtschaftlicher Fortschritt nicht mit Massenwachstum einher.

Europa hingegen mit niedrigen Kinderzahlen kann einige Großfamilien verkraften, aber woanders ist dies für die gesamte Gesellschaft schlimm, weil alle überleben wollen, aber auf welchem Stand kann dies gewährleistet werden? Neben den menschlichen Schicksalen gibt es noch dabei oft übersehene Bereiche: die Tierwelt.
Die Erde ist so voll, dass andere Mitgeschöpfe(die Tiere) kaum Lebensraum haben, deren Lebensraum immer mehr zerstört und eingeengt wird usw...die heutige Befüllung der Erde mit Menschen und ihren Bedürfnissen trägt überall dazu bei, dass viele Tierarten eingeengt, vom Aussterben bedroht sind usw...das ökologische Gleichgewicht nicht mehr gewahrt bleibt usw. Wer als Tourist die Serengeti sehen will mit ihrem Tierreichtum, der muss dann bedenken, dass die umliegenden Gegenden durch vermehrten Landbedarf wegen des Wachstums der Menschen gekennzeichnet sind und man Ansprüche an das brachliegende Land des Parks stellen.

Die heutige Menschenmasse trägt eher dazu bei, dass die Überlebensbedingungen für alle schlechter werden, wenn alle denselben Standard anstreben und Anspruch danach erheben, was verständlich ist...Eher trägt die Masse dazu bei, dass die Erde nicht nur voll wird, sondern dass man das Ende aller Zeiten selbst herbeiführt, aber nicht durch Eingreifen eines Gottes, sondern durch Selbstzerstörung der Lebensgrundlagen. Dann kommt es zum Verteilungskampf, Wasser ist schon heute ein solches Problem, oder eben zu Armutswanderungen, die ganze Gesellschaften durcheinander bringen werden und Lösungen fordern.

Es braucht keine zusätzliche Befüllung der Erde, sie ist schon voll genug. Sowieso hapert es bei dem Bibelvers an der Logik, wie umzugehen sei, wenn die Erde mal voll sei....sie ist es doch nun oder soll jeder Quadratmeter gefüllt sein?

Inhuman sehe ich als Außenstehender es an, den GET-Familien Verhütung zu verbieten, auch in Fällen, wo das Leben der Mutter in Gefahr ist, und man nicht an die Gesundheit der Betroffenen denkt, nicht einmal später noch, möglichst viele Kinder für die Gemeinde zu gewinnen.

Das eine ist der kalte Aspekt, jemanden zu sagen, egal, was die Person leide, sie habe Kinder zu gebären, am laufenden Band und solle ja nicht verhüten...egal, sie müsse es unterlassen, Contraceptica zu nehmen......wäre interessant mal andere biblische Gebote ebenso kalt anzuwenden, wie z.B. "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!"..also müsste jeder körperlich bis zur Erschöpfung arbeiten, keinerlei Büroarbeit würde gleichwertig zählen, kein Traktorfahren, oder oder oder sonst irgendwas, was völlig verdreht oder übertrieben klingt und natürlich wird dann nur Brot gegessen...Das klingt absurd, ist auch so gemeint! Aber wenn eines wortwörtlich gelten soll, wieso das andere nicht ebenso? Es steht doch nicht dabei: "Im feinen Anzug mit parfümiertem Hemd, sollst du nach der Computerarbeit ohne Schweißestropfen an deinen Essenstisch gehen und unter deinen Achseln keinerlei Schweiß riechen!" Wer also das Gebären als hohes Gebot nähme, sollte sich mal fragen, ob er als Mann nicht auch das Gebot des harten körperlichen Arbeitens einzuhalten hätte?
Ich habe das bewusst hier übertrieben, denn die Gebote sollten immer einen Bezug zum Menschen haben und der Mensch nicht sich an die Gebote nur anzupassen und einzuhalten gezwungen sein, sondern sie müssen einen Sinn behalten! Der Sinn, die volle Erde noch mehr zu füllen, erschließt sich heute nicht.

Also, wenn ich das hier lese, was Frauen erleben,  dann frage ich mich, wo ist denn Mitgefühl vorhanden...Das Leben der Mutter ist scheinbar egal, sie soll nur gebären, quasi produzieren? Die Frau selbst wird hier doch degradiert zur Brutmaschine, die laufend wie eine Kuh zu besamen sei und laufend Nachwuchs gebären soll. In der Landwirtschaft läuft es so! Da wird die Kuh laufend besamt, riesige Mengen Milch abgesaugt, bis sie nach wenigen Jahren total geschlaucht ist und beim Schlachter landet. Solche wirtschaftlichen, teils erzwungenen Entwicklungen sollten doch nicht auf den Menschen übertragen werden, indem die Frau keinerlei Ruhephasen haben dürfe, sich nicht bewusst für ein Kind entscheiden dürfe, auch mal dagegen, jedes Jahr eines zu bekommen usw..

Steht nicht in der Bibel: Die Gesetze sind um des Menschen willen gemacht?....eine Grundlehre von Jesu...alles andere ist pharisäisch...

Im Grunde geht es der GET-Führerschaft wohl um etwas anderes(das ist spekulativ, aber ich kann mich nicht des Eindrucks verwehren): Man sorgt sich eher, wie man bei von vielen in der Gemeinde geborenen Kindern einige bei der Stange als Erwachsener halten kann und die dann die Gemeinde fortsetzen. Die Masse wird nicht zum Bleiben geboren, sondern es ist schon normal, dass viele wegwandern...Die Masse dient nur dazu, dass es wahrscheinlicher ist, dass von zehn Kindern zwei als Erwachsene bleiben, während bei drei oder vier Kindern bei einem Ehepaar höchstwahrscheinlich gar keines... Hier stellt sich schon die Frage, ob die Gemeindeleiter überhaupt Kinder lieben, oder nur ans Überleben denken, denn, wenn man so viele einfach gehen lässt, sie quasi drängt, ist anscheinend nicht viel vorhanden an Liebe. Nur die Eltern haben das Problem dann, wie sie ihren Umgang mit den Kindern gestalten, die in die so genannte Welt gegangen sind und die sie nicht noch mehr verlieren möchten (hoffentlich nicht!).

Die sowieso fremdenfeindliche Haltung innerhalb der Gemeindeleitung unterstützt dann noch dieses berechnende Kalkül, denn wenn keine von draußen hineinkommen dürfen(ich nenne es Fremdenfeindlichkeit = Besucher sind nicht willkommen!), muss die Menge derjenigen, die bleiben soll, aus der Masse im Inneren kommen: Und da man diesen gegenüber auch nicht gerade entgegenkommend ist, mal nachzufragen, warum so viele aus der Verwandtschaft gegangen sind, oder wie sie sich selbst fühlen, man also weiß, ein großer Teil ist nicht glücklich in der Gemeinde, muss eine gewisse Menge aufgebaut werden ("produziert"), wovon einige bleiben werden und den Fortbestand der Gemeinde sichern....und je mehr man die Bänke mit eigenen Kindern füllt, umso wahrscheinlicher ist, dass davon so viele bleiben, dass die Gemeinde in ihren bisherigen Strukturen so bleiben kann.
Allerdings hat dies einen Haken, es bleiben immer weniger...drum muss man besonders aufmerksam machen. Zitat: "Unlängst wurde jedoch in einer Betrachtung von einem Ältesten im Kanton Bern angeführt: "Das Gesetz Gottes: Seid fruchtbar und mehrt Euch (Zitat aus der Lutherbibel 1912, 1. Mose, Kapitel 9: "Seid fruchtbar und mehrt euch und regt euch auf Erden, daß euer viel darauf werden.") habe noch heute seine volle Gültigkeit."" , so dass ja nicht die Kinderanzahl in den Ehen sinkt. Das würde die Gemeinden gefährden!

Dazu passt doch, dass die  Anzahl der Familiennamen in der GET abnimmt!
Wo sind die Namen, die in älteren Protokollen existieren und deren Nachkommen, denn die normale natürliche Verteilung ist fast halb-halb männliche und weibliche Nachkommenschaft?
Wo sind die Nachkommen vom Ältesten Jakob Küenzi? von Zehnder? usw..

Man hat sich wohl oben arrangiert, dass durch Starrsinn(Eigenanspruch: Rechtschaffenheit, Auserwähltheit als Gesalbte, so kann man es auch nennen, man kann sowieso vieles einreden und bleibt doch nur fehlerhafter Mensch!) der Leiterschaft viele abwandern, drum ist es wichtig, dass die Gemeinden nicht in wenigen Jahren ganz zusammenschmelzen...darum auch "viele viele Kinder zeugen", damit "just eine Hand voll bleibt"..

Und die anderen? Die sind eben verloren, für die Welt produziert... Ich werde gleich mal den Begriff verwenden, den man in der Industrie für zu viel Produziertes verwendet...das klingt nicht schön, aber welchen Stellenwert haben denn die acht Kinder, die von zehn nicht bleiben? Sagt nicht einmal ein Leiter, wie es ihm weh tut, dass die und die Person gegangen ist, oder redet man sich ein, die Gerechten bleiben eben immer eine kleine Anzahl?
Mich würde es als Gemeindeleiter schmerzen, wenn so viele Kinder einst vorhanden waren und nach zwanzig Jahre die meisten wegwandern, man sie nicht mehr auf den Bänken sieht, aber das scheint die GET gar nicht zu interessieren....nur möglichst viele müssen geboren werden, damit davon wenige bleiben..das ist schon eine gewisse infame, perfide Berechnung, die mit "Ausschuss"(hier ist der Begriff nun) bei der Produktion rechnet. 
Ansonsten würde man sich mal sorgen, wie man statt acht von zehn Kindern einer Familie zu verlieren, mal acht von zehn Kindern hält. Es glaubt doch wirklich keiner, dass so viele Kinder böse weltlich gesinnt sind(dann müsste ja alles schief gegangen sein bei Erziehung und dem Einfluss der "Gemeindepredigt und  -lehre" (ist das schon Gesalbtenlästerung?)...
Der Bibelvers "wenige sind ihrer, die ihn (den Weg) gehen", bezieht sich doch nicht auf "eine klitzeklitzekleine Anzahl sind es die aus einer großen selbst produzierten Menge bleiben"...der "schmale Weg" ist doch kein Rinnsal oder ein Drahtseilakt....auf dem Weg muss doch noch gegangen werden können und man muss doch auch noch gerne darauf gehen.

Dieses Kindererzeugen dient wohl noch einem anderen Zweck(das ist auch spekulativ, aber vieles, was Menschen an Regeln aufsetzen, hat einen tiefen psychologischen Hintergrund): So lange wenige bleiben, muss man sich nicht in der Not heraus nach außen wenden und sehen, wie man Leute von draußen bekommt...sind einigermaßen die Reihen gefüllt, geht es auf kleinem Nenner weiter, zwar immer mehr miteinander verwandt, aber es geht noch.  Wie viele Gemeinden waren es einmal, die auch relativ groß waren oder vergleichbar heutigen, wie sind jene zusammengeschmolzen und wurden dann zu anderen aufgeteilt, so dass dort wieder die Bänke voller wurden....so lange man noch den Anschein wecken kann, es sind doch relativ viele, die sonntags zusammenkommen, mag man sich der Illusion hingeben, dass es auch so historisch verglichen ist..ich denke aber, es war mal total anders. Die Gemeinden wären schnell am Ende, wenn weiterhin so starr geführt weiterläuft, wenn nur kleine Familien existierten....die großen, die geben noch Hoffnung, ein bisschen bleibt immer erhalten und sorgt dann wieder fleißig für ebensolchen geringen Bleiber-Nachwuchs.

Wie auch an anderen Stellen schon ausgeführt, ist es doch mehr als seltsam, dass keine neue Gemeinde eröffnet wird, sondern man eher zusammenlegt..und hofft die bisherigen zu halten, was momentan gelingt, aber normal wäre, wenn die Gemeinde wirklich vielen etwas zu bieten hat außer Drohängste, sie zu verlassen, dass z.B. in Eriswil die Versammlung geblieben wäre, in Dürrenäsch auch usw.. Sie müssten eigentlich wachsen, so wie es russlanddeutsche Gemeinde in Deutschland auch tun.
Dieser Verweis, man solle Kinder bekommen, mit dem innewohnenden Gedanken, sonst stürbe die Gemeinde schneller aus, degradiert Frauen herab zu Gebärmaschinen. Dass eine liebende Mutter später, wenn getauft erst recht, sich von ihren Kindern scheiden muss, weil jene "in die Welt" hineinzugehen sich gezwungen sahen, das interessiert gar nicht die Leiterschaft, es interessiert nur, ob ein kleiner Anteil bleibt. Bestimmt hat dann das Elternpaar falsch erzogen, wenn nur wenige bleiben, nicht die Gemeindeführung irgendwelche Grundlagen geschaffen, dass sich die Kinder nicht mehr wohlfühlten!
Wo wirbt die Gemeinde denn darum, Leute zu behalten, spricht mit jenen, versucht sie zu halten mit mitfühlenden Worten? Gibt es das wirklich, oder nur: "Bleib still und schweig, halt aus und verlasse ja nicht die Wahrheit....", was immer das auch sein soll, wenn nicht wirklich gut begründet(es hapert ja schon theologisch an den Fähigkeiten zu argumentieren).

Statistiken aus anderen täuferischen Gemeinden sehen Bleibezahlen von 85 % und höher, und dies je konservativer umso mehr...Vieles spielt dabei eine Rolle, aber insgesamt steht Konservatismus nicht einmal Bleiben der Kinder entgegen, bei der GET sind es die inneren Strukturen und wohl ein Gefühl des Ungeborgenseins und Eingeengtfühlens unter Gehorsams-Regeln statt überzeugenden Regeln, die nicht logisch erklärt werden und dieses massenhafte Wegbleiben bewirken. Würde man da mal umdenken, statt mit "Ausschuss" wie bei der Industrieproduktion schon vorab zu rechnen(z.B. durch die Aussage: "Ach, es bleiben ja doch nur wenige!" und dann so weiterzumachen), dann würden auch mehr bleiben.... Hier dient aber das Kinderkriegen und Verhütungsverbot nur dem Selbsterhalt auf niedrigem Stande. Das ist dann nicht mehr menschlich...das ist kalt berechnend.

Ich kann mich dieses Eindrucks nicht anders erwehren, leider...

Beitrag geändert von GET-Wissensinteressierter (26.06.2016 12:14:19)

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#5 27.06.2016 11:09:19

Rosmarie Stucki
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Man drehe und wende es, wie man will, die Lehre der Gemeinschaft bleibt konservativ, der Tradition verhaftet, kaum ansprechbar. Man kann man sie zwar freigeistig in Frage stellen oder durch den Verweis auf widersprüchliche Bibelstellen und den zeitgemässen Kontext relativieren im Bestreben, Vorgaben umzudeuten.

Man kann aber nicht erwarten, dass die eigene Lesart andere überzeugt oder gar eine Gemeinschaft dahingehend bewegt, sich darauf einzulassen. Die GET ist da konsequent: Die Deutungshoheit obliegt der Gemeindeleitung, Punkt.

Man kann das bedauern, es mag einem sauer aufstossen. Möglicherweise ist es die sich dem Zeitgeist entziehende Diskussionsaversion, die bei Mitgliedern nichtsdestotrotz so etwas wie Behaglichkeit auslöst. Die ganze existenzielle Not darf getrost und im letzten Detail nach oben delegiert werden, wo gottgefälliger Rat erfolgt. Anders als im Militär ist nicht einmal ein Dienstweg einzuhalten, man wende sich bei jedem Bobo direkt an die Generalität. Einfacher geht's nimmer.

Freunde der Wahrheit sind jedoch nicht angehalten nachzufragen, auch bei Belangen wie der Verhütung nicht. Es steht ihrem Ermessensspielraum frei, erteiltem Ratschlag nachzukommen, was schwierig zu überprüfen ist. (Nicht)schwangerschaft ist bekanntlich mehr als eine Funktion von Pille und Gummi.

In der GET gibt es viele Grossfamilien. Aber nicht nur. Das lässt wenigstens in einigen Fällen auf Verhütung schliessen. Dies wird gemäss Newcomer als Sünde gewertet, offenbar aber nicht persönlich beanstandet, was in etwa der Praxis der katholischen Kirche entspricht.

Es bestehen also durchaus Möglichkeiten, ohne dass gleich Köpfe rollen. Kommt dazu, dass Myriaden Glaubensgemeinschaften jeglicher Couleur einschliesslich der Landeskirchen ihre jeweilige Vorstellung des bibelgetreuen Lebenswandels predigen und dafür auch das Seelenheil in Aussicht stellen. Man darf sich zudem seinen persönlichen Glauben schustern oder auch ganz darauf verzichten. Fast alles ist möglich.

Selbstbestimmung hat jedoch ihren Preis. Immer. Dieser kann hoch ausfallen, auch in einer aufgeklärten, säkularisierten Gesellschaft. Die nicht ganz selbstverständliche Gewissens- und Religionsfreiheit entstand auf dem Buckel vielfältiger Kriege, Kriegshetzerei und unvorstellbarer menschlicher Not. Sie entsprang wie Phönix der Asche unzähliger Scheiterhaufen angeblicher Ketzer. Man sollte dies nicht vergessen, wenn man sich das eigene Leid oder persönliche Tragödien vor Augen führt, wovon einige Beiträge in diesem Forum zeugen.

Es ist eine etwas steile These, aber es scheint mir, als treffe nicht so sehr die Borniertheit der GET den Kern des Problems als das nun wirklich nicht einfache Unterfangen, Verantwortung und die Konsequenzen dafür zu übernehmen, das Leben dem besten (Ge)wissen gemäss auszurichten, es decke sich mit einer vorherrschenden Meinung, orientiere sich daran oder eben nicht.

Beitrag geändert von Rosmarie Stucki (27.06.2016 11:13:42)

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#6 27.06.2016 14:30:41

Newcomer
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Ich bin mit deinen Ausführungen grundsätzlich einverstanden, Rosmarie Stucki.
Will dazu aber folgendes ergänzen:

Damit die Scheiterhaufen verbannt werden konnten, brauchte es Auklärung und Information.
Wie bereits mehrfach aufgeführt stelle ich auch fest, dass es bei der Information/Transparenz in der GET gewaltig happert.

Zum Beispiel habe ich trotz jahrzehntelanger Mitgliedschaft nicht gedacht, dass die GET-Leitung bei oben geschildertem Fall, derart Stellung beziehen würde.

Die Selbstbestimmung wird insbesondere dann schwierig, wenn (auch wegen des Verbotes von vorehelichem Geschlechtsverkehr) oft sehr junge "Freunde" der GET mit einem Mitmenschen einen Ehe-Vertrag eingehen, ohne dass ihnen die Vertragsbedingungen der GET bewusst sind.
Ich meine, da wird die Desinformation von "Freunden" und teilweise wohl auch der getauften Mitglieder, von der GET bewusst eingesetzt.

Zitat "(Nicht)schwangerschaft ist bekanntlich mehr als eine Funktion von Pille und Gummi.": In der GET werden auch alle natürlichen Verhütungsmethoden als "Sünde" eingestuft.
Darin eingeschlossen ist auch das nicht praktizieren des Geschlechtsverkehrs, falls dies dem Zwecke dienen sollte, keine weiteren Kinder mehr zu kriegen.

Beitrag geändert von Newcomer (27.06.2016 14:31:31)

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#7 27.06.2016 16:46:50

Rosmarie Stucki
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Schön, von dir zu lesen, Newcomer. Endlich kommt etwas Schwung ins Forum.

Ja, es bedurfte Luthers Thesen, des Instruments Gutenbergs sowie einiger anderer geschichtlicher Kleinigkeiten, um die Gesellschaft durch die Aufklärung aus ihrem mittelalterlichen Mief auf ein der Zivilisation würdiges Niveau zu hieven. Mit der  Bundesverfassung von 1848 und nachfolgenden Revisionen wurde die  Glaubensfreiheit ausgeweitet und die Existenzgrundlage für nicht staatlich anerkannte Glaubensorganisationen geschaffen. Mit der Täuferbewegung profitierte insbesondere auch die GET massgeblich vom liberalen, von der Aufklärung geprägten Gedankengut; sie ist in gewissem Sinne deren Kind.

Es ist somit bemerkenswert, wenn Gemeinschaften sich dann ihrerseits der Aufklärung verweigern, wenn Bildung beargwöhnt und lieber unterbunden, Ignoranz jedoch der trauten Einfalt gleichgesetzt und zur anzustrebenden Tugend hochstilisiert wird. Wo Offenheit verpönt und jeglicher Anflug an Transparenz anrüchig wirkt, wo jede unbedarfte Frage anscheinend schon den Keim des meuterungsbereiten Aufwieglers in sich trägt, weisen sich Parallelen zu jenen Kreisen, die die freiheitliche Ordnung moderner Gesellschaften beanspruchen, um eigene intolerante Ansprüche durchzusetzen. Das schmerzt, man sieht irgendwie hilflos zu.

Es ist mir nicht klar, was du mit den Vertragsbedingungen der GET zur Ehe meinst. Geht es dabei um die Verhütung, den rigorosen Verzicht darauf? Und was meinst du damit, dass die GET Desinformation bewusst in Kauf nimmt oder sogar fördert?

Ist es nicht so, dass der Mensch gerade bei Unklarheiten und Konflikten gefordert ist? Wenn es um die Ausrichtung geht, wenn wichtige Entscheidungen anstehen? Geht es nicht gerade dann um Selbstbestimmung? Ich rede damit übrigens nicht der Abkehr das Wort, auch die gewollte Einbindung in die Gemeinschaft kann ein Akt der Selbstbestimmung sein.

Beitrag geändert von Rosmarie Stucki (27.06.2016 19:45:39)

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#8 27.06.2016 18:39:47

Newcomer
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Ich meine damit, dass sobald eine Ehe eingegangen wurde, keine Selbstbestimmung im Sinne des Wortes mehr möglich ist.
Der Entscheid für oder gegen einen Austritt hat unumgänglich Konsequenzen für beide Partner. Dies kann eine grosse Belastung für eine Ehe sein.
Wenn Kinder vorhanden sind, sind diese auch massgeblich davon betroffen: Sie dürfen allenfalls nicht mehr zu den Grosseltern auf Besuch, in die Ferien, verlieren den Kontakt zu Cousins, Cousinen, Verwandten, etc.
Diese Tatsachen sind unsäglich traurig und einer zivilisierten Gesellschaft absolut unwürdig.

Daher rührt wohl auch das Verhalten, dass Viele am liebsten gar nichts wissen wollen und sich irgendwie durchkämpfen, solange dies möglich ist.

Mit "Vertragsbestimmungen" meine ich die Tatsache, dass die Ältesten der GET sich angemasst haben, ein detailliertes Regelwerk auch für Intimitäten in der Ehe zu erlassen.

Dieses beinhaltet:
- Der Mann soll der Frau die Brüste nicht betasten
- Die Partner dürfen sich gegenseitig nicht im Intimbereich anfassen
- Geschlechtsverkehr ist ausschliesslich in der Missionarsstellung erlaubt
- Geschlechtsverkehr darf nur Abends oder Morgens vor- oder nach dem Schlafengehen praktiziert werden
- Geschlechtsverkehr darf pro Nacht höchstens 1x stattfinden
- Geschlechtsverkehr darf ausschliesslich im Bett praktiziert werden
- (Garantie auf Vollständigkeit kann keine gegeben werden)

Interessant ist zudem, dass darüber selbst getaufte Mitglieder erst bei der Hochzeit informiert werden.
Da diese um getauft zu werden den Ältesten absoluten Gehorsam gelobt haben, ist dies dann selbstverständlich hinzunehmen...

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#9 27.06.2016 19:35:58

Rosmarie Stucki
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Kein Entschluss ist auch ein Entscheid. Anders ausgedrückt: man hat immer die Wahl. Die Kosten der Konsequenzen fallen je nach Situation jedoch unterschiedlich hoch an. Es mögen wie von dir beschrieben Dritte betroffen sein. Das macht es keineswegs einfacher. Es ist verständlich, wenn Elternteile nichts überstürzen und sich wohl oder übel in den Status Quo schicken.

PS zur Liste: Heiliger Bimbam!

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#10 27.06.2016 20:46:45

Stefan Lehmann
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Das erinnert mich an einen Kollegen katholischer Konfession, der anlässlich seiner kirchlichen Trauung per Unterschrift bestätigen musste, dass er willens sei, seine Anvertraute zu beschlafen.

Nebenbei:
Die Braut war zum Zeitpunkt der Trauung schon sichtbar schwanger.

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#11 28.06.2016 10:17:47

Rosmarie Stucki
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Nicht nur die Verhütung, die Sexualität and und für sich ist eines der grössten Tabus der Gemeinschaft. Wo sich das Thema nicht vermeiden lässt, wird es umständlich verklausuliert angesprochen, mit antiquierten Begriffen wie Fleischeslust hantiert. Man ist nicht nur verklemmt, sondern weiss sich selber der zutiefst menschlichen Triebe ausgeliefert. Das macht die Sexualität so gefährlich. Einerseits ist sie im familiären Kontext zur gottgewollten Vermehrung unabdinglich, aber gleich nebenan lauert die verführerische Unzucht. Sie umfasst alles, was nicht direkt und ausschliesslich der Fortpflanzung dient. Es ist daher konsequent, diesen Rahmen klar abzustecken, auch wenn die damit zusammenhängenden Gebote den aufgeschlossenen Menschen buchstäblich aus den Socken hauen. Es gibt in vielen Ländern nach wie vor breite Gesellschaftsschichten, welche einer ähnlich befangenen Sicht der Sexualität huldigen.

Es stellt sich in deinem Fall jedoch die Frage, welche Aspekte im Falle krankheitsbedingter Verhütung wie zu gewichten sind. So, wie du den Fall beschreibst, lieber Newcomer, ist die Verhütung gemäss Gemeinschaft auch dann nicht akzeptabel, wenn ein krebshemmendes Medikament diese voraussetzt. Das erinnert an die Zeugen Jehovas, die Bluttransfusionen ablehnen.

Dem gläubigen Menschen mag es möglich sein, die Krankheit als Schicksal des Himmels anzunehmen und daher auf das medizinisch Mögliche zu verzichten, weil es als zu einschneidend für die sexuelle Wertehaltung empfunden wird. Ein schwerwiegender Entscheid ist dies allemal, umso mehr, als er beide Ehepartner unmittelbar tangiert. Man wünscht sich eine vernünftige Diskussion, leider wider besseres Wissen: Trifft Glaube auf die als menschliches Hemmnis wahrgenommene Vernunft, bleibt der Ausgang ungewiss. Wie immer der Entscheid ausfällt, man wünscht sich, beide tragen ihn gemeinsam mit.

Beitrag geändert von Rosmarie Stucki (28.06.2016 10:27:24)

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#12 29.03.2017 18:04:24

Timotheus
Mitglied

Re: Schwangerschaftsverhütung

Liebe Leser des Forums
Zum Thema Familienplanung und Verhütung möchte ich Euch noch unten aufgeführten Link
weitergeben. Diese Webseite wird von gläubigen Brüdern einer bibeltreuen Versammlung betreut. Den Brüdern ist es ein inniges Anliegen, dass in allem unser Herr und Heiland alleiniger Mittelpunkt ist.

http://www.bibelpraxis.de/index.php?article.624
(zugehörige weitere Artikel zum Thema sind unten am genannten Artikel aufgeführt)

Das wichtigste ist, dass ein Ehepaar gemeinsam alles immer vor den Herrn bringt und so auch erfahren darf, dass der Herr immer wieder wunderbare Wege führt.

Timotheus

Offline

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